Am vergangenen Samstag, dem 01.08.2009 marschierten rund 750 Neonazis durch das niedersächsische Bad Nenndorf. An dem von den Nazis so genannten „Trauermarsch“ nahmen auch mehrere Dutzend Neonazis aus Schleswig Holstein teil, darunter Angehörige der selbst ernannten „Autonomen Nationalisten“ aus Kiel und Neumünster.
Die „Aktionsgruppe Kiel“ ist dabei mit eigenen schwarzen T-Shirts aufgetreten, wohin gegen ein Großteil der in schwarz angereisten Neonazis von der Polizei mit weißen T-Shirts ausgestattet wurde.
Einen ausführlichen Bericht und Fotos der anwesenden Neonazis gibt es bei Recherche Nord.
Runder Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel jetzt auch im Internet
Der Runde Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel ist ab jetzt auch im Internet mit einer eigenen Homepage vertreten. Wir möchten ein bißchen die Werbetrommel rühren und euch nahe legen, der Seite www.runder-tisch-kiel.de mal einen Besuch abzustatten.
„Am Runden Tisch gegen Rassismus und Faschismus in Kiel ist Platz für alle, die fremdenfeindliche, rechtsextremistische und rassistische Äußerungen und Gewalttaten, antisemitische Anschläge und menschenverachtende Hetze, Terror und Mordtaten der Faschisten nicht länger dulden wollen.“
20. Juli: Neonazis aus Schleswig-Holstein halten Kundgebung beim Landeshaus ab
Nachdem eine für Freitag geplante Nazi-„Mahnwache“ anlässlich der aktuellen parlamentarischen Beziehungskrise der Landesregierung vor dem Landeshaus kurzfristig von dem Kieler Ratsherr Hermann Gutsche wieder abgemeldet wurde, zeigte sich gestern, dass es sich dabei nur um eine terminliche Verlegung gehandelt hatte.
Etwa 20 NPDler/-innen, „Autonome Nationalisten“ und sonstige Faschist/-innen aus ganz Schleswig-Holstein, darunter der schleswig-holsteinische NPD-Bundestagswahlkandidat und langjährige Nazikader Thomas Wulff, tauchten am späten Vormittag des 20. Juli 2009 nahe des Landeshauses auf und jammerten über einen Lautsprecherwagen im Stile von „Ist der Carstensen kriminell – muss er aus dem Amt ganz schnell!“ rum.
Im Gegensatz zu letztem Freitag, wo sich nach spontaner Mobilisierung vorsorglich über 60 Antifaschist/-innen versammelt hatten, um auf die dann abgesagte Naziaktion zu reagieren, kam es gestern leider zu keinen nennenswerten antifaschistischen Gegenmaßnahmen, wogegen die Polizei mit einem größeren Aufgebot auf einen solchen Fall vorbereitet schien.
Der gestrige Auflauf kann als eine Aktion im Rahmen des bevorstehenden Bundes- und Landtagswahlkampf der NPD in Schleswig-Holstein gewertet werden und machte deutlich, dass mit einer engen Kooperation der neonazistischen Strömungen von NPD über die „AN“-Szene bis hin zu erfahrenen Nazikadern wie Thomas Wulff zu rechnen ist. Antifaschist/-innen sollten sich Gedanken machen, wie mit den weiteren zu erwartenden öffentlichen Auftritten von Nazis, vor allem auch in Kiel, adäquat umzugehen ist.
NPD kneift – Nazistand vorm Landeshaus abgesagt
Aus diesem Grunde versammelten sich ab 9.30 Uhr über 60 Antifaschist/-innen an der Reventlouwiese, um an antifaschistischen Gegenaktionen teilzunehmen, zu denen die Autonome Antifa-Koordination Kiel seit dem Bekanntwerden der geplanten Neonaziaktion am Vorabend spontan mobilisiert hatte.
Bereits vor 10 Uhr ließ einer der spärlich anwesenden Polizist/-innen verlauten, dass der „Stand von Herrn Gutsche nicht stattfinde“. Andere Quellen berichteten, der Stand sei kurzfristig wieder abgemeldet worden. Um sich selbst von dem Wahrheitsgehalt dieser Informationen zu überzeugen, verweilten die Antifaschist/-innen noch eine Zeit lang in unmittelbarer Nähe des Landtages. Als tatsächlich weit und breit keine NPDler/-innen oder andere Neonazis zu erblicken waren, löste sich die Zusammenkunft auf. Auch ein kurzer Streifzug durch die Innenstadt ergab keine Hinweise auf mögliche faschistische Ausweichaktionen, genausowenig konnten sich Gerüchte über umher wandelnde Neonazi-Gruppen bestätigen.
Insgesamt ist der Tag aus antifaschistischer Perspektive also positiv zu bewerten: Der spontanen Antifa-Mobilisierung folgten trotz des ungüstigen Zeitpunktes wieder einmal erfreulich viele Aktivist/-innen und eine Naziaktion fand trotz gegensätzlicher Planungen der Kieler NPD nicht statt. Ob die Antifa-Mobilisierung mit zu der richtigen Entscheidung Hermann Gutsches beigetragen hat, den Stand lieber wieder abzumelden, noch bevor es zu angemessenen Reaktionen kommen konnte, kann zunächst nur spekuliert werden.
Dennoch sei an dieser Stelle nochmal dringlichst darauf verwiesen, dass in den letzten zwei Wochen mehrere faschistische Propagandastände der „Aktionsgruppe Kiel“ meist weitestgehend ungestört in Kieler Randbezirken stattfanden. Verstärkte antifaschistische Aufmerksamkeit und spontane Reaktionsfähigkeit werden Wohl oder Übel auch in den nächsten Wochen immer wieder von Nöten sein (was auch für den heutigen Resttag gelten sollte!), um die Kieler Neonaziszene erfolgreich daran zu erinnern, dass ihre rassistische, nationalistische und antisemitische Hetze nach wie vor nicht geduldet werden wird.
Aufruf zu den spontanen Antifa-Aktionen:
MORGEN (Fr., 17.7.2009): Gegen den NPD-Propagandastand vor dem Landtag vorgehen!
Für morgen, Fr. 17. Juli haben Kieler Neonazis der NPD einen Infostand vor dem Landtag angemeldet, offensichtlich um sich während der brandaktuellen Debatte über Neuwahlen in Schleswig-Holstein öffentlich in Szene zu setzen.
Bereits in den vergangenen zwei Wochen kam es zu mehreren Propagandaständen von Neonazis der „Aktionsgruppe Kiel“ im Kieler Stadtgebiet, die allerdings meist ungestört blieben. Dies wird morgen nicht so sein! Wir rufen alle Antifaschist/-innen dazu auf, die Kieler Neonaziszene einmal mehr auf den Boden der Realität zurück zu holen, sie daran zu erinnern, dass ihre widerliche nationalistische, rassistische und antisemitische Hetze auch in Zukunft nicht geduldet wird und den morgigen Stand zu stören, zu be- oder verhindern!
KEIN NAZISTAND NIRGENDWO!
Antifa-Treffpunkt am 17.7.:
9.30 Uhr Düsternbrooker Weg/Höhe Reventlouwiese („RSH-Wiese“)
Kommt pünktlich und sagts weiter!
Autonome Antifa-Koordination Kiel
„Einheit der nationalen Publizistik“
Laut blick nach rechts plant der in Martensrade bei Kiel ansässige Nazi Dietmar Munier mit seinem Verlagskomplex zusammen mit den Herausgebern der rechten Zeitschrift „Nation und Europa“ eine neues gesamtrechtes Zeitungsprojekt.
Wir dokumentieren den Artikel von blick nach rechts:
Kiel − Zum Jahresende soll ein „wirklich deutsches Nachrichtenmagazin“ auf den Markt kommen.
Das noch namenlose Blatt soll ab Dezember erscheinen und will „die Umerziehungsmedien Spiegel, Focus und Stern herausfordern“. Treibende Kraft des Projektes, das nach der „Einheit der rechten Publizistik“ ruft, ist der rechtsextreme schleswig-holsteinische Verleger Dietmar Munier (Verlagskomplex „Lesen & Schenken GmbH“, Arndt-Verlag unter anderem). Bei einem Treffen mit Harald Neubauer, seit 1992 Mitherausgeber der Monatszeitschrift „Nation&Europa“, dem ältesten rechtsextremen Sprachrohr in der Bundesrepublik, soll laut Auskunft von Munier beschlossen worden sein, die neue Zeitschrift und „Nation&Europa“ (Auflage:rund. 18 000), zu „einem einzigen schlagkräftigen deutschen Nachrichtenmagazin zusammenzuschmieden.“ Diese „Einheit der nationalen Publizistik“ solle dann „zu einem wirklich unüberhörbaren Sprachrohr in der Öffentlichkeit“ werden. Um die „Kriegskasse“ für das Projekt zu füllen, ruft Munier zu Spenden auf. Munier, einst Funktionär der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), war am 10. Januar dieses Jahres Gast beim Neujahrsempfang der sächsischen NPD-Landtagsfraktion. (am)
09. 06. 2009
Nazistand ungestört in der Wik
Am heutigen Montagmittag, 13. Juli 2009 führten etwa 10 Neonazis der AG Kiel und ihrem Umfeld einen zweistündigen Propagandastand im Kieler Stadtteil Wik durch. Antifaschistische Gegenwehr blieb dabei leider weitestgehend aus.
Update Mittwoch, 15.7.: Ein entsprechendes Szenario wiederholte sich heute am frühen Nachmittag in Friedrichsort.
Nachdem ein ähnlicher Versuch Kieler Neonazis am vergangenen Dienstag in Kiel-Mettenhof bereits nach 20 Minuten kläglich gescheitert war, da sich massiver Widerstand aus der Mettenhofer Bevölkerung andeutete (http://www.antifa-kiel.org/index.php/news/items/versuch-der-ag-kiel-in-mettenhof-aufzulaufen-endet-nach-20-minut.html), gelang es ihnen heute zwischen 12 und 14 Uhr, sich relativ ungestört am Elendsredder Ecke Holtenauer Str. zu präsentieren. Zunächst war die Polizei mit vergleichsweise wenigen Kräften präsent, dies änderte sich jedoch im Laufe der Kundgebung. Antifaschistische Gegenaktivitäten beschränkten sich nach derzeitigem Kenntnisstand auf das zeitgleiche Verteilen von Flugblättern an einer Wiker Schule. Als ein stärkerer Regenschauer einsetzte, bauten die Neonazis ihren Stand ab.
Auffällig war, dass die Neonaziaktion, wie zuvor schon in Mettenhof, am selben Ort stattfand wie eine antifaschistische Kundgebung vor einigen Wochen.
Auch wenn die AG Kiel trotz heute leider ausgefallener Antifa-Gegenwehr relativ wenig Anklang unter den Passant/-innen und den Anwohner/-innen gefunden zu haben schien (weitestgehend stieß der Stand auf Desinteresse, die Nazis wurden aus sicherer Entfernung begafft oder einzelne teilten ihnen auch am Stand ihre Meinung mit), ist es selbstverständlich nicht hinnehmbar, dass Neonazis nach einigen Wochen vergleichsweiser Stille und einigen herben Niederlagen bei ihren öffentlichen Auftritten in jüngster Zeit, nun wieder wie Anfang des Jahres ungestört in Kiel auftreten können. Für Kieler Antifaschist/-innen gilt es deshalb gerade auch in Anbetracht des bevorstehenden NPD-Bundestagswahlkampfes wieder verstärkt aufmerksam zu sein und gegen jegliche Aktionsversuche von AG Kiel, NPD oder jeder anderen Nazibande aktiv zu werden.
Versuch der „AG Kiel“ in Mettenhof aufzulaufen endet nach 20 Minuten
Am 7. Juli haben etwa 8 Neonazis der „AG Kiel“ versucht im Stadtteil Mettenhof Flugblätter zu verteilen, genau an dem Ort, wo bereits am 15.6. eine erfolgreiche antifaschistische Kundgebung zur Aufklärung über neonazistische Aktivitäten in Kiel stattfand.
Auch diesmal haben AntifaschistInnen im Vorfeld von der geplanten Aktion der selbsternannten „Autonomen Nationalisten“ mitbekommen. Da der Auftritt der Neonazis jedoch nach kurzer Zeit aufgrund von sich anbahnenden Protesten von AnwohnerInnen von der Polizei beendet wurde, konnte sich eine Gruppe AntifaschistInnen, welche kurz nach Verlassen der Nazis am Kurt-Schumacher-Platz ankam, darauf beschränken die Anwohner abermals über die Aktivitäten von „AG Kiel“ und anderen Neonazis aufzuklären.
Die Antifas breiteten ein Transparent aus und verteilten auf dem Kurt-Schumacher-Platz und in den umliegenden Geschäften etwa eine halbe Stunde lang mehrsprachige Flyer. Viele AnwohnerInnen zeigten sich erfreut über diese Aktion und versicherten, dass öffentliche Auftritte von Neonazis in Mettenhof nicht geduldet würden und bedankten sich bei den AntifaschistInnen für ihre Anwesenheit.
Keine Aktionsräume für Nazis – weder in Mettenhof noch sonstwo!
Nazi-Parolen an Kirche, Stadion und Polizeistation im Kieler Norden
Am letzten Wochenende wurden in den Kieler Stadtteilen Wik und Holtenau abermals mehrere Orte mit neonazistischen Parolen und Aufklebern verdreckt.
Laut einem Artikel der Kieler Nachrichten vom Montag wurden an einer Polizeistation und an einem Wohnhaus in Holtenau massenhaft faschistische Aufkleber und Parolen verklebt bzw. versprüht. Am Dienstag erschien ein weiterer Artikel, in dem von weiteren faschistischen Schmierereien an einer Grundschule, einer Sporthalle, der Hebbelschule und einem weiteren Wohnhaus berichtet wird.
In der Aufzählung der KN fehlen allerdings noch zwei weitere Orte. An dem gleichen Wochenende wurden auch mehrere Nazi-Graffitis an der Osterkirche sowie am Holstein-Stadion im Stadtteil Wik entdeckt. An der Osterkirche (Fotos) wurden u.a. ein Hakenkreuz, Sprüche wie „Deutschland den Deutschen“ und „Rote aufhängen“ und die Internet Adresse des internationalen Nazi-Musiknetzwerkes „Blood and Honour“, versehen mit dem Zusatz „Support C18“ (Combat 18), angebracht.
In den letzten Monaten tauchten vergleichbare Schmierereien immer wieder im Stadtbild auf, besonders häufig allerdings in der Wik, wo Neonazis immer wieder durch das Verkleben von Aufklebern, aber auch durch gezielte Übergriffe auf vermeintlich linke und alternative Menschen auf sich aufmerksam machen. So wurde z.B. in der Nacht zum 7. April ein junger Mann in seiner Wohnung in der Wik von drei Neonazis überfallen, welche sich Zugang zur Wohnung verschafften und diese verwüsteten.
Weitere Infos:
Antifa-Kundgebung in der Wik am 7. Mai 2009
Erneute Naziangriffe auf alternative Projekte in Kiel
Werwölfe in der Frontstadt
Dieser Artikel über die aktuellen Umtriebe von Neonazis in Kiel und Schleswig-Holstein ist diese Woche in der Jungle World erschienen (http://jungle-world.com/artikel/2009/26/35363.html):
»Autonome Nationalisten«, die der »Aktionsgruppe Kiel« angehören, treten in der Stadt immer wieder öffentlich in Erscheinung und greifen dabei häufig zur Gewalt. Auch an anderen Orten in Schleswig-Holstein schließen sich Nazis zu »Aktionsgruppen« zusammen.
von Matthias Gerber
An einem Samstag Ende Mai versammelten sich gegen Mittag acht schwarz gekleidete Nazis am Kieler Hauptbahnhof. Sie hatten eine Kundgebung in der Innenstadt angemeldet und warteten auf weitere Kameradinnen und Kameraden. Antifaschistische Initiativen aus Kiel hatten wenige Tage zuvor von den Plänen der Nazis erfahren und Proteste angekündigt, etwa 100 Antifaschistinnen und Antifaschisten befanden sich am vorgesehenen Kundgebungsort in der Innenstadt.
Doch zu den Personen am Bahnhof, größtenteils Angehörige der so genannten Aktionsgruppe Kiel (AG Kiel), gesellten sich keine weiteren Nazis. Stattdessen fingen einige von ihnen an, ein paar junge Antifas anzugreifen, die sich in der Nähe aufhielten. Es kam zu regelrechten Jagdszenen, die Polizei schien überfordert zu sein. Kurze Zeit später teilte die Polizei schließlich den noch anwesenden Antifas mit, dass die Nazis ihre Veranstaltung wegen einer zu geringen Teilnehmerzahl abgesagt hätten.
Es war nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass es in der Kieler Innenstadt zu solchen Vorfällen kam. »So etwas erleben wir hier im Moment ständig«, sagt Julia S.* von der Autonomen Antifa-Koordination Kiel. »Die Nazis haben teilweise täglich in der Fußgängerzone Flyer verteilt, wobei es auch mehrmals zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und Antifas kam.«
Anfang des Jahres wurden zehn mutmaßliche Mitglieder und Sympathisanten der AG Kiel an ihren Wohnorten und Arbeitsplätzen von Antifaschistinnen und Antifaschisten öffentlich als Nazis geoutet. Kurz danach veröffentlichte die AG ein Pamphlet, in dem sie Kiel zur »Frontstadt« ausrief. Der Text schließt mit den Worten: »Die Aktionsgruppe Kiel ruft alle Nationalisten aus der Landeshauptstadt und Umgebung dazu auf, sich zu organisieren und auch unabhängig als Werwolfeinheiten zu agieren!« Seitdem versuchen Neonazis regelmäßig, mit öffentlichen Aktionen wie etwa kleinen Kundgebungen in der Kieler Innenstadt in Erscheinung zu treten.
Bei diesen Gelegenheiten greifen die Kieler Nazis immer wieder zu Gewalt. Nachdem die Polizei im April etwa 40 Nazis eine geplante Kundgebung im migrantisch geprägten Stadtteil Gaarden untersagt hatte, weil sich mehrere hundert Gegendemonstranten eingefunden hatten, versuchten die Rechtsextremen, zu einem Informationsstand des »Runden Tisches gegen Rassismus und Faschismus« in der Fußgängerzone zu gelangen. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und Antifas. Zudem schlugen einige Nazis einen Balletttänzer des Kieler Opernhauses brutal nieder, der sich zufällig am Ort des Geschehens aufhielt. Der Mann erlitt einen doppelten Schädelbasisbruch.
Doch bei solchen öffentlichen Auftritten der Nazis bleibt es nicht. Die Fensterscheiben der Druckerei des Kulturprojektes »Hansastraße 48« wurden allein in diesem Jahr bereits zwei Mal eingeschlagen, ein alternatives Wohnprojekt im Kieler Stadtteil Wik wurde schon mehrfach Ziel nächtlicher Besuche von Nazis. An einem Abend im Mai bauten sich etwa zehn bewaffnete Rechtsextreme vor dem Eingang des Hauses auf und bedrohten Gäste einer dort stattfindenden Party, eine Woche später wurde ein Stein durch ein Fenster in eine Wohnung des Projekts geschleudert. Die Bewohnerin Katja S.* äußert sich besorgt: »Offensichtlich genügt schon unsere etwas ungewöhnliche Wohnform, um ins Visier dieser Leute zu geraten. Aus heiterem Himmel wurden bereits im April 2008 abends Scheiben bei uns eingeschmissen. Anschließend brüstete sich die faschistische ›Aktionsgruppe Kiel‹ im Internet mit der Tat.«
Lange Zeit war die Kieler Naziszene geprägt von einem NPD-Kreisverband, der sich bieder-bürgerlich gab. Im Jahr 2008 erreichten jedoch die Aktionsformen der »Autonomen Nationalisten« (AN) die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt. Nazis aus diesem Spektrum organisierten sich dann in der AG Kiel. Die Gruppe machte schnell mit Aktionen auf sich aufmerksam. Im April wurden innerhalb einer Woche bei mehreren linken und alternativen Projekten in Kiel, wie z.B. der Hansastraße 48, dem Buchladen Zapata und dem besagten Wohnprojekt in der Wik, Scheiben eingeworfen. Die Nazis berichteten darüber amüsiert im Internet.
Die teilweise noch sehr jungen Mitglieder der AN unterstützten auch den Kommunalwahlkampf der NPD im Mai 2008. Zwischen dem örtlichen Kreisverband der NPD und den AN besteht ein enges Verhältnis, das Vorgehen wird abgesprochen, es gibt personelle Überschneidungen. Bekannte NPD-Mitglieder wie Peter von der Born nehmen an Aktionen der AG Kiel teil, deren Angehörige, z.B. Christoph Rüdiger, stellten sich auf der Liste der NPD zur Wahl.
Zwar sind die AN in Kiel zahlenmäßig nach wie vor recht schwach, legen aber einen für die Verhältnisse der Stadt bisher kaum gekannten Aktivismus an den Tag.
Und nicht nur Kieler Antifaschistinnen und Antifaschisten müssen sich mit dem Phänomen der »Autonomen Nationalisten« auseinandersetzen. Seit Mitte 2008 gründeten Nazis in Schleswig-Holstein verschiedene »Aktionsgruppen«. Diese betreiben eine gemeinsame Internetseite namens »mein-sh.info«, auf der Links zu den Gruppen sowie zu Kreisverbänden der NPD zu finden sind.
Aus dem Kreis der »Aktionsgruppen« werden in jüngster Zeit nicht nur in Kiel immer wieder Angriffe auf linke und antifaschistische Menschen und Projekte begangen. In Neumünster wurde nach Informationen der örtlichen Antifaschistischen Aktion erst kürzlich ein Mitglied des »Bündnisses gegen Rechts« zwei Mal innerhalb weniger Stunden angegriffen. Nazis warfen nachts Fenster seines Hauses mit Steinen ein und bedrängten ihn am nächsten Tag während der Fahrt in seinem Auto. In der vorvergangenen Woche verübten bisher Unbekannte einen Brandanschlag auf das linke Zentrum »T-Stube« in Rendsburg. Antifas in der Stadt vermuten, dass Nazis der »Aktionsgruppe Rendsburg« für den Anschlag verantwortlich sind.
Angesichts der Vielzahl der Vorfälle haben auch die staatlichen Organe die »Autonomen Nationalisten« in Schleswig-Holstein zur Kenntnis genommen. So durchsuchte das Landeskriminalamt Ende April vier Wohnungen von umtriebigen Nazis in Kiel. Ihnen wird nun die »Bildung einer kriminellen Vereinigung« nach Paragraf 129 vorgeworfen.
*Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt.
Weitere Informationen gibt es auf www.antifa-kiel.org
Antifaschistische Kundgebung in Kiel-Mettenhof
Um ein weiteres mal auf die zunehmenden Aktivitäten von Neonazis in Kiel und im restlichen Schleswig-Holstein aufmerksam zu machen, führten heute etwa 30 Antifaschist/-innen eine antifaschistische Kundgebung im Kieler Stadtteil Mettenhof auf dem Kurt-Schuhmacher-Platz durch. Dabei wurden hunderte mehrsprachige Flugblätter an die Passant/-innen und Anwohner/-innen verteilt und mit Transparenten und Redebeiträgen zum Widerstand gegen die derzeit sehr aktive Kieler Neonazi-Szene um die „Aktionsgruppe Kiel“ aufgerufen.

In den vergangenen Monaten kam es zu einer deutlichen Zunahme von Aktivitäten von Kieler und Schleswig-Holsteinischen Neonazis aus dem Spektrum der selbsternannten „autonomen Nationalisten“. Diese reichten vom Verteilen rassistischer, nationalistischer und antisemitischer Flugblätter, über Wahlkampfhilfe für die faschistische Wahlpartei DVU und Versuche von Kundgebungen, bis hin zu brutalen Angriffen auf vermeintlich oder tatsächlich linke Personen und Einrichtungen. Eines der jüngsten und gleichzeitig brisantesten Beispiele offener neonazistischer Gewalt ist der Brandanschlag auf das linke Kulturzentrum T-Stube in Rendsburg in der vergangenen Woche. Antifaschist/-innen reagierten mit zahlreichen Aktionen auf diese Entwicklungen, zu deren eindrucksvollsten z.B. die breit getragene Spontandemonstration gegen Neonazigewalt durch die Wik am 5. Juni mit über 700 Teilnehmer/-innen gehörte.
Weitere Bilder gibt es unter http://de.indymedia.org/2009/06/253437.shtml